„Wir dürfen nur keine Angst haben“

Ein Bild, das es bald nicht mehr geben wird: Monika Fabian beendet nach der Saison ihre Laufbahn als Volleyballerin. Foto: Jan-Philipp Strobel

Volleyball, Regionalliga Es ist ihr letzter Auftritt vor den eigenen Fans: Monika Fabian (27) von der DJK Gmünd will mit einem Sieg über Offenburg II den Abstieg verhindern. Ein Interview mit der Kapitänin.

ALEXANDER HAAG

Es ist die letzte Chance: Nur mit einem klaren Sieg gegen den direkten Tabellennachbarn VC Offenburg II an diesem Samstag (20 Uhr) kann die DJK Gmünd noch den Klassenerhalt schaffen. Mannschaftsführerin Monika Fabian spricht über das Schlüsselspiel, ihr Karriereende und darüber, dass „es in Richtung Ausdauersport gehen wird“.

Frau Fabian, steigt die DJK Gmünd an diesem Samstag ab?

Fabian: Wenn wir nicht 3:0 oder 3:1 gewinnen, dann ja.

Im Moment seid ihr punktgleich mit dem Gegner Offenburg II.

Offenburg wird am letzten Spieltag gegen Backnang ganz sicher Punkte holen. Es könnte sogar sein, dass die Offenburger Spielerinnen aus der Ersten einsetzen, um nicht abzusteigen. Trotzdem müssen wir dieses Spiel klar gewinnen.

Wie konnte es passieren, dass ihr in diese Lage gekommen seid?

Tja, wie konnte das passieren? Ein Großteil hängt natürlich mit dem Ausfall von Lisa Denzinger (Kreuzbandriss, Anm. d. Red.) zusammen. Ihre spielerische Stärke, ihr Auftreten auf dem Platz, das fehlt einfach. Trotzdem müssten wir nicht auf einem Abstiegsplatz stehen, da wäre mehr drin gewesen.

Woran liegt es noch?

Es gab zu viel Hin und Her. Es war oft unklar, in welchem System wir spielen, so konnten wir nie Konstanz reinbringen.

Das klingt stark nach Kritik an Trainer Joachim Saam.

Nein, gar nicht. Es liegt definitiv nicht am Trainerteam, zumal vieles gemeinsam beschlossen wurde. Das Hin und Her war in erster Linie ein Versuch, den Ausfall von Lisa aufzufangen. Hinzu kam, dass die beiden Neuzugänge Pavla Stará und Iwona Pasienczna erst mit dem Team zusammenwachsen mussten. Gleichzeitig war erst zum Ende der Hinrunde klar, dass ich wieder in die Mitte gehe. Nach vielen Spielen waren wir ratlos und fragten uns: Reicht es einfach nicht? Irgendwann war es auch eine Kopfsache.

Wann wurde Ihnen erstmals bewusst, dass sogar der Abstieg ein Thema sein könnte?

Vor Weihnachten. Da war die Stimmung im Team zwar super, aber wir konnten es in den Spielen nie umsetzen. Ich glaube, dass wir uns viel früher mit dem Thema Abstieg hätten auseinandersetzen müssen. Vielleicht hätten wir auch früher auf die Erfahrenen setzen müssen.

War es naiv, vor der Saison Platz vier als Saisonziel auszugeben?

Nein. Auf keinen Fall. Das war absolut realistisch, und es hätte sogar mehr drin sein können. Als wir vor der Saison darüber geredet haben, war sogar vom Aufstieg die Rede. Es hätte mit etwas mehr Glück und weniger Verletzungspech ganz anders laufen können.

Was würde ein Abstieg für die DJK Gmünd bedeuten?

Das wäre ein harter Schlag für den Verein, der vor drei Jahren noch in der 3. Liga gespielt hat. Gleichzeitig wäre es aber auch die Chance, alles neu zu ordnen und neu aufzubauen. Lisa kommt wieder zurück, das restliche Team bleibt zusammen, und man kann die jüngeren Spielerinnen endgültig aufbauen.

Glauben Sie ernsthaft, dass Lisa Denzinger Oberliga spielen würde?

Ich freue mich auf die coolsten Fans.

Monika Fabian
Mannschaftsführerin der DJK Gmünd

Ich glaube, der Gedanke war für sie anfangs ganz schwierig. Inzwischen bin ich mir aber sicher, dass sie es tun würde. Sie ist eine Gmünderin durch und durch, und ein direkter Wiederaufstieg würde ihr sicherlich Spaß machen. Außerdem ist ihr das Volleyball und das Team viel zu wichtig.

Für Sie würde ein Abstieg nichts ändern ...

Ja, ich musste mir schon anhören, dass mir der Abstieg egal sein kann, weil ich am Saisonende mit dem Volleyballspielen aufhöre. So ein Quatsch! Welche Spielerin hört schon gerne mit einem Abstieg auf? Manchmal fühlt es sich sogar so an, als würde ich das Team im Falle eines Abstiegs im Stich lassen. Egal ob Klassenerhalt oder Abstieg, dass ich aufhöre, hat andere Gründe.

Ihre langwierige Verletzung an der Schulter ...

... ist zu 90 Prozent der Grund. Die Schulterprobleme werden einfach nicht mehr besser. Ich kann deshalb seit drei, vier Jahren nicht mehr so Volleyball spielen, wie ich das eigentlich spielen kann. Ohne Tape und Schmerzmittel geht leider nichts, und nach dem Spieltag habe ich eine Woche lang Schmerzen. Es kommt dann noch hinzu, dass es nach fast 10 Jahren in der Regionalliga nun insgesamt der richtige Zeitpunkt ist.

Steht Ihr Entschluss endgültig fest?

Ja.

Können Sie sich vorstellen, irgendwann einmal auszuhelfen?

Nein, denn ich glaube, dass so etwas das Team nur durcheinander bringen würde. Aber ich möchte nichts kategorisch ausschließen. Außerdem werde ich dem Verein hinter den Kulissen erhalten bleiben.

Wäre ein Job als Trainerin etwas für Sie?

Schon möglich. Aber im Moment noch nicht. Ich habe jetzt 15 Jahre nur Volleyball gespielt. Es ist an der Zeit, etwas Neues auszuprobieren.

Was reizt Sie?

Da gibt es viel, und ich möchte vor allem herausfinden, was mir Spaß macht. Ich denke, dass es auch in Richtung Ausdauersport gehen kann. Beispielsweise reizt es mich, irgendwann einmal einen Halbmarathon zu laufen.

Zunächst steht an diesem Samstag ihr vorletztes Volleyballspiel an. Wie sehr behindern Sie Ihre Schulterprobleme?

Unser Physiotherapeut wird mich entsprechend tapen, und ich werfe mir zudem zwei Schmerztabletten ein. Von der Schulter lasse ich mich in diesem Spiel nicht aufhalten.

Was muss die DJK umsetzen, dass es mit dem klaren Sieg klappt?

Wir dürfen nur keine Angst haben und müssen auf unser Können vertrauen. Ich freue mich jetzt einfach auf mein letztes Heimspiel vor den coolsten Fans der Liga.

© Schwäbische Post 09.03.2018 21:30

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